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Interview mit Birgitta Schall

1.      Guten Tag Frau Schall, in Ihrem Roman „Perfekte Affären“  geht es um vier sehr unterschiedliche Frauen, die irgendwie alle mehr oder weniger glücklich sind, trotz verschiedenster Probleme im Leben. Wie viel eigene Erfahrung mit ähnlichen Lebensumständen ist hier mit eingeflossen?

Die Figuren sind fiktional, die Geschichte ist Fiktion. Aber Geschichte und Charaktere stammen von mir und sind deshalb natürlich von meinen Lebenserfahrungen geprägt 😉

2.      Mit welchem Charakter können Sie sich am meisten identifizieren?

Ich habe mich während dem Schreiben mit allen vier weiblichen Hauptpersonen identifiziert – und mit der männlichen Hauptperson, Jan, auch.  Ich verstehe sie alle, habe eine enge „Beziehung“ zu ihnen entwickelt und hoffe, dass es mir so gelungen ist, lebendige und realistische Figuren zu schaffen.

3.      Aus welchen Gründen können Sie sich mit dieser Person identifizieren? Was verbindet Sie?

Mir war wichtig, dass die Personen meines Romans bereits etwas älter sind. Alle sind Ende 30, Anfang 40, das heißt, sie haben Lebenserfahrung und eine Lebensgeschichte. Sie haben in der Vergangenheit bereits einige Weichen gestellt, und manche akzeptieren diese Weichenstellung und fahren geradeaus weiter, andere überlegen sich, ob es nicht an der Zeit wäre, die Notbremse zu ziehen, und wieder andere suchen nach einer Gelegenheit, den Kurs zu ändern – wissen aber nicht, in welche Richtung es gehen soll. Das ist eine Situation, die ich kenne und für sehr wichtig halte: Den Status Quo in Frage stellen, seine Entscheidungen überdenken, offen bleiben für Neues, es sich im Leben nicht allzu gemütlich einrichten. Denn aus dieser Bequemlichkeit entsteht leicht Trägheit, manchmal auch eine Art Blasiertheit, die ich als zutiefst lebensfeindlich empfinde.

4.      Wie ist Ihre persönliche Einstellung zu außerpartnerschaftlichen Affären?

Ich glaube, das ist immer eine Entscheidung, die ausschließlich die beteiligten Parteien angeht. Und das heißt, meine Einstellung dazu hängt immer – auch – von meinem Partner ab und von den jeweiligen Lebensumständen. Absolute Treue kann ein ungemein fester Kitt in einer Partnerschaft sein, aber ebenso kann auch eine funktionierende „offene Beziehung“ von großer Nähe geprägt sein. Wichtig dabei ist Ehrlichkeit, sich selbst und dem Partner gegenüber. Und das ist manchmal schwer. Aber mit „Pokerspielen“ kommt man hier nicht weiter, denn am Ende zockt einer den anderen ab. Einer ist der Gewinner, und der andere hat das Gefühl, alles verloren zu haben.

5.      Haben Sie selbst schon einmal Erfahrungen damit gemacht?

Ich kenne niemanden in meinem Alter, der nicht schon einmal betrogen hat oder betrogen wurde. Daraus entsteht in den allerseltensten Fällen etwas Gutes. Denn das Wort „Betrug“ impliziert bereits Lüge, Bluffen, Taktieren und – ja – auch Verachtung. Manchmal sogar sich selbst gegenüber.

6.      Wie stehen Sie zu Seitensprungseiten im Internet? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Ich arbeite seit sechs Jahren als Marketingspezialistin für die Online-Dating Branche und hatte Testaccounts auf verschiedenen Portalen – von der klassischen Partnervermittlung über Flirtportal bis zu Casual-Dating Portalen. Das Internet bildet das ab, was es im wirklichen Leben auch gibt. Mit dem einen Vorteil: Jeder kann ganz bewusst entscheiden, was er sucht und auf was er sich einlassen will. Wer allerdings auf einem Seitensprungportal auf die „Liebe seines Lebens“ hofft, sollte seine Strategie überdenken. Und wer ein Date mit jemandem von Parship hat und sich wundert, dass bald schon die Themen „Heirat“ und/oder „Kinder“ aufkommen, hat die Profile nicht richtig durchgelesen.

7.      Vielleicht können Sie ein bisschen zur Entstehungsgeschichte des Buches erzählen! Woher kam die Idee zum Buch? Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Nachdem ich einige Jahre als „AMOR“ im Internet tätig war und mich mit dem Thema „Partnersuche“ und „Partnerwahl“ tagtäglich auseinander gesetzt habe, kam ich an einen Punkt der übersättigung. Ich hatte viele Informationen von Experten angesammelt, Profile und Emails gelesen, verschiedene Sehnsüchte und Hoffnungen kennen gelernt. Der Roman „Perfekte Affären“ war sicherlich auch der Versuch, mir einiges von der Seele zu schreiben, überlegungen aufs Papier zu bringen, um das alles dann los lassen zu können und wieder ein wenig von meiner früheren Spontaneität zurück zu gewinnen.

8.      Sind die Charaktere an reale Personen angelehnt?

Bevor ich überhaupt mit dem Roman anfing, habe ich für jede der fünf Hauptpersonen ein mehrseitiges „Character Sheet“ angelegt mit allen Details: Aussehen, biographische Daten, Präferenzen, ängste, Ticks etc. So ist jede Figur vor meinem inneren Auge entstanden. Sicherlich auch von der Realität inspiriert. Ich bin sehr visuell, habe ein Jahr Schauspielunterricht in den USA genommen und dort gelernt, Charaktere auf der Bühne mit minimalen Gesten glaubwürdig rüber zu bringen. Wenn ich schreibe, ist es, als ob ich in die Haut meiner Figuren schlüpfe, ich fühle wie sie, setze mich hin wie sie, rede wie sie, und weiß meistens auch sehr genau, was die Figur als nächstes macht. Ich habe das genossen, dieses hin- und herspringen zwischen den Protagonisten und ihren Lebensentwürfen. Als „Perfekte Affären“ dann fertig geschrieben war, wollte ich „meine“ Figuren zunächst nicht gehen lassen…

9.      Die vier Damen im Buch spielen einmal die Woche zusammen Poker. Welche Bedeutung hat das Spiel für sie? Hätte es auch ein anderes Spiel sein können?

Nein, es hätte kein anderes Spiel sein können. Das Pokerspiel gibt die Struktur des Romans vor. Die drei Teile heißen: Neues Spiel, Neues Glück; Play The Game; Showdown – Karten auf den Tisch. Ich will jetzt nicht zu viel verraten, aber in dem Roman geht es um die Frage von Nähe, Intimität, Freundschaft und Liebe. Der Pokerspieler kennt nur eine Intimität: Die zwischen sich und seinem Blatt. Die anderen am Pokertisch sind Statisten. Er lässt sich nicht in die Karten schauen, und die Frage ist: Was braucht es, um ein guter Pokerspieler, ein guter Bluffer, zu sein? Nur derjenige, der sich absolut unter Kontrolle hat und die anderen auf Abstand hält, hat eine Chance auf den großen Gewinn. Wo bleibt dabei echte Nähe, Freundschaft, Intimität? Unter solchen Bedingungen verabschiedet sich die Liebe.

10.   Wie geht es jetzt für Sie weiter? Welche Pläne haben Sie?

Ich bin Autorin ja nur im „Zweitberuf“. Ob ich einen weiteren Roman schreibe und wann ich die Zeit dafür finde, das hängt letztlich auch davon ab, ob den Lesern „Perfekte Affären“ gefällt.

Ein Hinweis an unsere Leser: Unter den ersten 100 Lesern die uns eine E-Mail an „gewinnspiel – at – koydo . com“ senden verlosen wir 3 Exemplare des Buches „Perfekte Affären“ die uns Frau Schall netterweise zur Verfügung gestellt hat.

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