Wissenschaftler versuchen, auf Basis der Beobachtung der Interaktion von Menschen die Partnerwahl zu erklären. Auf Grundlage psychologischer Merkmale werden dabei Menschen in unterschiedliche Klassen von Persönlichkeitstypen unterteilt. Die Interaktion zwischen diesen unterschiedlichen Klassen bestimmt den Erfolg bei der Partnerwahl.

Persönlichkeitstypen

Basierend auf Persönlichkeitsmodellen von Carl Gustav Jung (1875-1961), Elizabeth Holloway Marston (1893-1993) und Isabel Briggs-Myers (1898-1980) hat der Partnerexperte Eric Hegmann entlang der Dimensionen Introversion/Extroversion und emotionale Stabilität vier Persönlichkeitstypen bei der Partnerwahl erläutert.

Lustprinzipler

Der Lustprinzip-Mensch („LuMe“, 38% der potentiellen Partner) strebt nach Freiheit. LuMes wollen tun und lassen, was sie wollen und für richtig empfinden.
Bindungen gehen sie daher eher ungern ein. Geht ein LuMe einer Sache nach oder beschäftigt er sich mit jemanden, so macht er das, weil er in diesem Moment Spaß daran empfindet. Verpflichtungen oder Gefühle spielen eine untergeordnete Rolle. Fühlt sich ein LuMe eingeengt, ergreift er gerne die Flucht. Seine Sponantität und Freiheitsliebe will er nicht in Gefahr bringen. Freunde empfinden einen LuMe als angenehmen und unterhaltsamen Zeitgenossen.
Der LuMe redet viel über Sex und hat ihn gerne. Er wird von vielen Einflüssen bei der Partnerwahl stimuliert und spricht schnell auf diese an. Lange Werbephasen mag er gar nicht. Gefühlvolle und tiefgündige Beziehungen sind für ihn ein Drama.

Giacomo Casanova oder Madonna wären laut dem, was öffentlich bekannt ist, wohl gute Beispiele für einen LuMe.

Pflichtbewusste

Der pflichtbewusste Mensch („PflMe“, ca. 38% der potentiellen Partner) ist der Gegenentwurf zum LuMe. Der PflMe liebt Regeln und Verantwortung. Er fühlt sich stets verpflichtet und gibt jeden Tag sein Bestes. Er ist meist konservativ orientiert und hat einen Drang danach, sich stets als nützlich zu erweisen.
Die Zugehörigkeit und Identifikation zu einem Umfeld, das klare Normen und Werte kennt, ist ihm wichtig. PflMe trennt Besitztümer strikt, liebt und braucht Anerkennung. Damit ist er aber leider auch häufig unzufrieden und für Depressionen anfällig.

Bei der Partnerwahl ist es dem PflMe wichtig, dem Partner ein Gefühl von Zuneigung und Dankbarkeit zu vermitteln. Lust und Sex ohne Liebe passen für den PflMe nicht zusammen. Hat er eine Beziehung gefestigt, strebt er danach, den Status quo zu erhalten.

Dagobert Duck ist die Verkörperung eines PflMes .

Wissenschaftler

Der Wissenschaftler („Wiss“, ca. 12% der potentiellen Partner) strebt danach, alles Neue direkt zu begreifen. Er ist intelligent und kann Zusammenhänge sehr schnell verstehen. Dieser Persönlichkeitstyp strebt stets nach Perfektion, hat die höchsten Anspüche an sich und will sich in allen Punkten verbessern. Es fällt ihm jedoch schwer, Kritik von anderen anzunehmen.

Er ist von sich eingenommen und wirkt damit auf andere häufig arrogant und zuückweisend. Er stellt hohe Anspüche an seine Umwelt und geht davon aus, dass diese nicht über sein intellektuelles Potenzial verfügt, insbesondere nicht, wenn es darum geht, seinen Gedankengängen zu folgen. Der Wiss geht vollständig in seiner Arbeit auf, hat aber im Privaten Schwierigkeiten, sich zu entspannen. Er bereut die meisten Beziehungen, die er eingeht, im Nachhinein.

Beim Sex ist er neugierig und kann in der Regel Erfahrung vorweisen. In einer Beziehung ist er eher treu und strebt danach, diese Beziehung zu erhalten.

Thomas Mann wird als ein Beispiel für einen Wiss betrachtet.

Schöngeist

Stärker als die anderen Persönlichkeitstypen strebt der Schöngeist („SchöG“, ca. 12% der potentiellen Partner) nach Selbstverwirklichung. Der typische SchöG verspürt einen starken Drang, ein bedeutungsvolles Leben zu führern. Jeder Beziehung, die er eingeht, kann er etwas Positives abgewinnen. Jedes Geschehene und Erlebte hat eine Bedeutung und ist für ihn Ausdruck von etwas Besonderem. Anerkennung ist für ihn überaus wichtig. Die Feinheiten der nonverbalen wie auch der verbalen Kommunikation beherrscht der SchöG perfekt. Er kann sich auf Menschen einstellen und sich so präsentieren, wie er erscheinen will.
Der SchöG glaubt fest an die große Liebe, die ihm über den Weg laufen wird und ewig andauert. In einer Beziehung kann er dem Partner ein großes Maß an Zuneigung, Wärme und Wertschätzung geben.

Die literarischen Figuren Siddhartha (H. Hesse) oder Othello (Shakespeare) sind gute Beispiele für SchöGs.

Je gleicher die Partner, desto glücklicher?

Der Gestalttherapeut und Psychologe David Keirsey betreibt seit Mitte der fünfziger Jahre Typenbeobachtung und ist davon überzeugt, dass die Mehrheit der Menschen sich für den entgegengesetzten Typen interessiert und diesen im Ergebnis auch häufig heiratet. Wer selbst nach strengen Regeln lebt und sein Leben am liebsten lange in die Zukunft plant, ist demnach von Menschen fasziniert, die scheinbar nur im Hier und Jetzt leben und sorglos das genießen, was auf sie zukommt. Das Entgegengesetzte hat eine anziehende und faszinierende Wirkung. Ein potentiell gleicher Partner hingegen wirkt eher abstoßend. Der Mensch ist auf der Suche nach den fehlenden oder weniger ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmalen. Selbst beim Scheitern einer solchen Beziehung würden sich die Betreffenden, nach Keirsey, nach einem bestimmten zeitlichen Abstand nochmals für einen entgegengesetzten Typen entscheiden.

Entscheidend für den Bestand einer Beziehung auf Basis dieser Auswahl ist, dass die Partner sich so akzeptieren, wie sie sind. Die Absicht, den anderen zu ändern, damit die Realität so ist, wie der andere Partner jeweils denkt (Pygmalioneffekt), ist der Hauptgrund für die meisten gescheiterten Beziehungen oder Ehen. Keirsey geht davon aus, dass manche Menschen sehr lange nach ihrem genauen Gegenstück suchen. Haben sie es gefunden, versuchen sie alles, dieses zu einer Beziehung zu bewegen. Wenn es ihnen gelungen ist, beginnen sie wie ein Bildhauer, an dem anderen herumzumeißeln und diesen nach ihren Vorstellungen zu formen.

Die Beziehung ist so von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ein Partner wird unglücklich sein.

„Gleich und gleich gesellt sich gern“ sagt hingegen der Volksmund. Die Auswahlverfahren von Partnerbörsen im Internet unterstützen diese Ansicht. Matching-Programme suchen nach Gemeinsamkeiten. Auch für diese Sichtweise gibt es entsprechende wissenschaftliche Unterstützung. Diese argumentieren auf Basis empirischer Erkenntnisse im wesentlichen mit dem großen Konflikpotenzial, das aus den Gegensätzen resultiert. Bei Paaren mit allzu großen Gegenseiten kann es im Alltag schnell zu Uneinigkeiten kommen. In der ersten Zeit des Verliebtseins voller Leidenschaft sind Partner oft blind gegenüber vielen inneren Werten oder Charaktereigenschaften. Die Leidenschaft hat meist körperliche Attraktivität zur Grundlage, Liebe püft hingegen eindringlich, fordert mehr als aufregende Gefühle. Liebe möchte Sicherheit, und Sicherheit wird auch durch die Ähnlichkeit bestimmt.