Wer aus einer früheren Beziehung ein Kind (oder mehrere Kinder) hat, der hat es bei der Partnersuche nicht immer leicht. Als Alleinerziehender hat man oft wenig Zeit und viele Singles möchten keinen Partner mit Anhang. Und wenn es dann doch passiert, dann ist es nicht immer sicher, ob die Kinder den neuen Partner auch mögen und akzeptieren.

Ängste und Sorgen des Kindes

Für viele Kinder gehören Vater und Mutter einfach zusammen. Sind sie noch sehr klein, gewöhnen sie sich schnell an die Tatsache, dass die Eltern getrennt sind, bzw. dass ein neuer Partner da ist.

Ebenso bei älteren Teenagern. Sie haben meistens schon die nötige Reife, um zu verstehen, dass die Eltern auch Bedürfnisse haben und ein erfülltes Leben haben möchten. Das heißt nicht, dass sie emotionslos über die Trennung ihrer Eltern hinwegsehen oder dass sie jeden neuen Partner sofort mögen, aber sie können besser damit umgehen. Sie sammeln gerade selbst ihre ersten Beziehungs-Erfahrungen und wissen, dass es nicht immer passt und wie schön es ist, wenn es dann richtig funkt und alles perfekt zu sein scheint.

In dem Alter dazwischen, im Kindergarten-, Grundschulalter und der frühen Jugend, muss man mit mehr Widerstand von Seiten der Kinder rechnen. Viele bekommen natürlich mit, dass Vater und Mutter sich ständig und lautstark streiten und dass es das Beste für alle ist, wenn man sich trennt. Allerdings gehen die meisten Kinder davon aus, dass sich die Eltern nach einer Weile wieder vertragen werden und die Liebe zueinander wieder entdecken.

Selbst wenn die Trennung schon Jahre zurückliegt, heißt das nicht, dass ein neuer Partner direkt akzeptiert wird. Ein neuer Partner ist immer Konkurrenz. Von der Sicht des Kindes aus entweder für den anderen Elternteil oder für sich selbst. Auch nach jahrelanger Trennung kann es noch sein, dass das Kind die neue Beziehung als Betrug am anderen Elternteil ansieht.

Die Eltern verbringen die Zeit mit dem Kind nach einer Trennung meist intensiver. Die Wochenenden werden besser geplant, es wird viel unternommen, Feiertage werden intensiver gefeiert. Kommt nun ein neuer Partner ins Spiel, wird etwas von der Aufmerksamkeit vom Kind weggenommen und dem neuen Partner zuteil. Auf einmal ist da noch jemand, der an allem teilnimmt und Zeit und Aufmerksamkeit beansprucht.

Keinen neuen Vater suchen

Ein neuer Partner sollte nicht versuchen, Vater oder Mutter für das Kind zu sein. Scheidungskinder haben in der Regel ja noch Vater und Mutter, die ihren elterlichen Pflichten ausreichend nachkommen. Eine dritte Person, die Regeln aufstellt und sich mit in die Erziehung einmischen möchte, ist da fehl am Platz. Dies kann nur zu Spannungen zwischen dem Kind und dem neuen Partner führen. So wird ein bockiger Teenager schnell sagen: „Du hast mir nichts zu sagen, du bist nicht mein Vater!“ Und er hat damit auch vollkommen Recht.
Welche Regeln im Haushalt und in der Familie herrschen, sollte mit allen abgeklärt werden. Mit dem neuen Partner und dem Kind. Zieht der neue Partner mit in die gemeinsame Wohnung, so muss geklärt werden, dass der neue Partner das Kind daran erinnern darf, den Müll rauszubringen oder die Wäsche aufzuhängen.

Wenn es um andere Regeln geht und die Bestrafungen bei Nichteinhaltung, dann muss schon von vorne herein geklärt werden, ob der neue Partner sich da einmischen darf. Ob Hausarrest, Fernsehverbot, Internet- oder Handy-Entzug und weitere Strafmaßnahmen von beiden Erwachsenen verteilt werden dürfen oder nur vom biologischen Elternteil, das sollte vor dem ersten Streit geklärt werden. Am besten noch, bevor der neue Partner mit in die gemeinsame Wohnung zieht.

Viele suchen gar keinen Vater- oder Mutterersatz für ihr Kind und möchten lieber, dass das Kind und der neue Partner einen freundschaftlichen Umgang haben. Vater und Mutter bleiben nach wie vor „Mama“ und „Papa“ und der neue Partner wird dann mit seinem Vornamen angesprochen.

Bei kleineren Kindern kann es aber passieren, dass auch der neue Partner nach einer Zeit akzeptiert und wie ein Elternteil geliebt wird und dann ebenfalls mit „Mama“ oder „Papa“ angesprochen wird.

Dies ist ein natürlicher Vorgang und man sollte nicht versuchen, das zu ändern. Das Kind drückt so aus, dass es den neuen Partner in seinem Leben akzeptiert hat und ihm sogar eine größere Rolle zu Teil werden lässt, als zur Debatte stand. Der Elternteil, der sich den Kosenamen mit dem neuen Partner nun teilen muss, sollte nicht (zu) eifersüchtig darauf reagieren. Nur weil das Kind einen neuen „Erziehungsberechtigten“ in sein Leben integriert hat, heißt das nicht, dass der eigentliche Elternteil weniger geliebt wird. Der biologische Elternteil steht meistens immer noch an erster Stelle, auch wenn man sich nicht mehr so oft sieht.

Wann sollten sich Kind und neuer Partner kennen lernen?

Das kann man nicht pauschalisieren. Es kommt sehr auf das Alter und die Reife des Kindes an und wie lange die Trennung der Eltern zurück liegt und wie gut das Kind diese verarbeitet hat.

Die Eltern sollten vorher mit den Kindern darüber reden, warum sie sich getrennt haben und dass sie auf der Suche nach einem neuen Partner sind. Eltern sollten ein offenes Ohr für die Ängste und Sorgen der Kinder haben, auch wenn sie ihnen vielleicht lächerlich vorkommen. Aber viele Kinder haben Angst, dass Vater oder Mutter sie weniger lieben, wenn da eine neue Liebe in ihr Leben tritt. Wenn dann etwas mit dem neuen Partner unternommen wird und das Kind zum anderen Elternteil, den Großeltern oder dem Babysitter geschickt wird, dann kann bei ihnen schnell das Gefühl aufkommen, abgeschoben zu werden und unerwünscht zu sein.

Ebenso ist es vielleicht ratsam, dem Kind nicht sofort jeden neuen Partner vorzustellen. Viele warten damit, bis sich die Beziehung etwas gefestigt hat. So bleibt dem Kind vielleicht der ein oder andere Trennungsschmerz erspart, wenn aus der Beziehung doch nichts wurde, aber der Partner schon ein Band zum Kind geknüpft hatte.

Allerdings sollten Partner und Kind reichlich Zeit gelassen werden, sich zu beschnuppern, bevor der neue Partner eine gravierende Rolle in dem Leben der Familie spielt. Ein Kind mit einem Ein- oder Umzug zu überrumpeln oder dem Kind jemanden vorzustellen, der von nun an an der  Erziehung beteiligt sein soll, wird in der Regel immer den Widerstand des Kindes zu spüren bekommen. Egal wie alt das Kind ist, ein neuer Partner ist auch immer eine gravierende Änderung in seinem Leben.

Ängste und Sorgen des neuen Partners

Nicht jeder Single kann sich vorstellen, einen Partner mit Kind zu wählen. Ein Kind ist eine Menge Verantwortung und der Single mit Kind meistens weniger flexibel als ein Single ohne Anhang. So muss man damit rechnen, dass der Wochenablauf und die Wochenenden einem festen Ritus unterstellt und mit Terminen vollgepackt sind.

Ein Single mit Kind kann nicht spontan übers Wochenende wegfahren oder so lange ausgehen, wie er möchte. Das Kind kann ja auch nicht immer zum anderen Elternteil oder einem anderen Familienmitglied geschickt werden.

Das Essen muss gekocht werden, die Wäsche muss gewaschen werden, Hausaufgaben kontrolliert, das Kind muss zum Sport oder zu Freunden gebracht werden. Oft kommen auch andere Kinder vorbei und dann ist in der Wohnung nicht an Ruhe und Mußestunden zu zweit zu denken.

Einige haben vielleicht Angst, dass das Kind sie nicht akzeptiert und deswegen die Beziehung keinen Fortbestand haben könnte. Manche fühlen sich noch nicht reif genug, die Mitverantwortung für ein Kind zu übernehmen. Oder haben Angst, dass der Partner durch das Kind noch zu sehr an den Ex-Partner gebunden ist. Schließlich wird der Kontakt zum Ex noch gehalten und man sieht sich immer wieder.

Für einen neuen Partner ist es auch nicht leicht, wenn das Kind ihn ständig mit seinem abwesenden Elternteil vergleicht. Es sollte ganz klar sein, dass Vater oder Mutter immer besser sind als der neue Partner. Die Eltern sind Vorbilder und in den Augen eines Kindes meistens perfekt. Ein neuer Partner, der vom Kind auch als Konkurrenz angesehen werden könnte, fallen schnell die Unterschiede oder Fehler auf.

Der neue Partner muss sich damit abfinden, niemals die erste Geige spielen zu dürfen. Das Kind wird immer an erster Stelle stehen. (Ein Single, der bereit ist, sein Kind für den neuen Partner im Stich zu lassen, hat schwere Bindungsprobleme und sollte lieber einen Therapeuten aufsuchen, anstatt mit dem neuen Partner durchzubrennen.) Wer den Partner mit einem „entweder das Kind oder ich“ zu erpressen versucht, wird immer den kürzeren ziehen. Ein liebevoller Elternteil wird sich immer für das Kind entscheiden.

Weitere Kinder

Bringt der neue Partner auch Kinder mit in die Beziehung, dann sollte schon frühzeitig gemeinsam etwas unternommen werden, damit sich die Kinder kennen lernen. Wenn die Beziehung nämlich bestand hat und sie zu einer gemeinsamen Wohnung führt, dann sollten die Kinder die Chance haben, ihre neuen „Geschwister“ schon einmal beschnuppern zu können. Gemeinsame Interessen der Kinder sollten dabei im Vordergrund stehen, so dass sich schnell eine Freundschaft entwickeln kann. Sind die Kinder glücklich, sind es die Eltern meistens auch.
Auch hierbei sollte von vorne herein klargestellt sein, wie es mit Regeln, Bestrafungen und der Erziehung der Kinder aussieht und was auf die Kinder zukommt, wenn man eine Patchwork-Familie gründet.

Hat einer der beiden Partner sein Kind nur an den Wochenenden bei sich, sollten die Kinder sich auch vorher kennen lernen. Jede Person, die regelmäßig in den Lebensraum des Kindes eindringt, sollte ihm vorher vorgestellt werden.

Entschließt sich das neue Paar ein gemeinsames Kind zu haben, sollten schon vorhandenen Kinder frühzeitig über das neue Geschwisterchen informiert werden. Auch hierbei sollten die Eltern die Sorgen und Ängste des Kindes nicht als banal abtun, sondern ihm liebevoll erklären, dass sie sie immer noch genau so lieben, auch wenn das Baby in der den ersten Jahren etwas mehr Aufmerksamkeit brauchen wird. Wenn dann ein Elternteil zu Hause bleibt, um sich um die Erziehung des Babys zu kümmern, kann auch das ältere Kind davon profitieren, indem gemeinsam Hausaufgaben gemacht werden oder etwas gespielt wird, wenn das Baby schläft.

Das Baby sollte auch nicht als Halb-Geschwisterchen vorgestellt werden. Wenn man sich als ganze Familie sehen möchte, dann sollte dem Kind auch die Chance gegeben werden, den Familienzuwachs als vollwertiges Mitglied und ohne Barriere ansehen zu dürfen. Eine Familie definiert sich nämlich nicht nur durch die Gene. Dies sollte auch dem Ex-Partner, den Großeltern und dem restlichen Umfeld klar gemacht werden, damit das Kind von dieser Seite nicht negativ beeinflusst wird.