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Ghosting

Moderne Zeiten bringen viel Positives mit sich. Dazu zählt unter anderem wohl auch die weitestgehend freie Partnerwahl. Manchmal muss man dafür auch ein bisschen suchen. Nicht jeder finden den oder die Richtige gleich beim ersten, zweiten, dritten oder gar zehnten Anlauf. Modernes „Dating“ hat die Suche nach einem Partner maßgeblich beeinflusst. Manchmal kommt dabei das Gefühl auf, dass dieser Einfluss auch auf die Art und Weise, wie Menschen ihre „Dates“ behandeln abzielt.

Wer kennt die Situation nicht: Man geht zu einem Date. Man hat sich irgendwie, irgendwo vorher kennengelernt. Beim Online-Dating, über Freunde, am Wochenende in einer Bar. Völlig egal. Das Date läuft toll. Man verabredet sich ein zweites, drittes, viertes Mal. Doch irgendwann kommt keine Reaktion zurück. Keine Antworten auf SMS und das Telefon bleibt auch still.

Ghosting nennt man diese Art von Verhalten. Sich verstecken, sich nicht mehr melden, auf keinerlei Kontaktversuche reagieren, bis der andere aufgibt und man selbst wohl zum Geist einer Erinnerung geworden ist. Nicht die ganz feine englische Art, aber es erfüllt Sinn und Zweck. Sich rarmachen und still und leise aus einer „Beziehung“ gleiten.

Unausgesprochene Konventionen lassen Ghosting wohl nach Mini-Beziehungen zu. Ein mieses erstes und ein noch viel schlechteres zweites Date, brauchen in den meisten Fällen keine Erklärung, warum es nicht zu einem weiteren Date kommt. So kann man sich still und heimlich vom Acker machen. Auch hier wäre eine kleine Nachricht nett, aber die muss nicht sein.

Doch nach einer gewissen Zeit, die man zusammen verbringt, gehört es doch dazu wenigstens ein paar kleine Zeilen zum Abschied zu bekommen. Sei es nur der Evaluation wegen. Man weiß schließlich nicht, was falsch gelaufen ist. Vielleicht könnte man solche Situationen für zukünftige Partnersuche meiden und sich versuchen zu verbessern. Ohne Rückmeldung unmöglich.

Ein Trend der Unhöflichkeit. Aber auch ein Trend des nicht-festlegen-wollens. Vielleicht hat man jemand kompatibleren, attraktiveren, netteren, intelligenteren etc. gefunden, mit dem man nun viel lieber seine Zeit verbringt. Doch die realistische Möglichkeit, dass dies schief geht besteht. So kann man sich durch nichts sagen immer noch eine Hintertür aufhalten. Am besten mit einer sensationellen Geschichte belegen, die erklärt warum man sich über Monate nicht gemeldet hat.

http://www.welt.de/icon/article143199718/Wenn-sich-das-Date-ploetzlich-nie-mehr-meldet.html

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