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Rantasten

Nachdem seine eigentlich ziemlich peinliche Nachricht auf meiner Mailbox gut zwei Wochen zurücklag, meldete sich Clemens zum ersten Mal wieder ein wenig zaghaft. Ein einfaches „Wie geht es dir?“ musste für den Anfang reichen. Es juckte mich in den Fingern sofort zurückzuschreiben, aber ich beherrschte mich. Erstmal schweigen und links liegen lassen.

Ich habe stattdessen sämtliche Zeit und Energie, die mir alter Frau noch übrig sind in Benny gesteckt. Und dies ist auch notwendig. Benny hat das unendliche Bedürfnis seine gesamte Zeit, die er nicht mit arbeiten, seiner Familie oder seinem Studium verbringt, mit mir zu verbringen. Wie kann das sein frage ich mich? Wie kann ein 28-jähriger keine Freunde haben, mit denen er um die Häuser ziehen will? Eines Abends habe ich ihn also zaghaft gefragt, ob er nicht auch mal wieder was mit seinen Kumpels machen will? Schließlich hängen wir ja fast nur aufeinander. Das gute an Männern: Sie sind einfach! Er war nicht beleidigt, sondern sah mich lediglich an als sei ihm just in diesem Moment die Erleuchtung gekommen, dass er ja noch Freunde habe. Erfreulicherweise sind Männer in Sachen Freundschaft scheinbar ähnlich simple. Zwei Wochen ohne Kontakt zu meinen Freundinnen (insbesondere den letzten Singles) und man würde mich grillen. Zwei Wochen ohne Kontakt zu seinen Freunden und sie bejubeln ihn, ob er so lange wirklich bei mir war. Komische Welt.

Ich jedenfalls hatte endlich mal wieder einen Abend für mich. Denn Benny hatte langsam aber sicher begonnen sich breitzumachen. Am Anfang nur die Zahnbürste, irgendwann dann ein paar T-Shirts und zuletzt habe ich seine Unterhosen in meiner Wäsche gefunden. Nein, nein nun wirklich nicht. Ich will keinen Mitbewohner. Ich will meine eigene Wohnung.

Alleine auf der Couch bedeutete aber auch alleine mit meinem Handy und ein paar Nachrichten von Clemens. Dieser hörte nämlich gar nicht mehr auf mir zu schreiben. Na gut, dies klingt jetzt ein wenig besessen. Es waren vier Nachrichten an einem Tag, auf die ich nicht reagiert hatte. Ich fühlte mich sehr mächtig und gleichzeitig winzig klein, denn ich wusste, dass ich unbedingt zurückschreiben wollte.

Es folgte ein Abend lustigster SMS, die ein wenig unterschwellige Flirterei vermuten lassen könnten, aber nur ein klein wenig. Schließlich war ich immer noch genervt von ihm und seiner Aktion, für die er sich entschuldigt hatte, was es aber nicht ungeschehen machte. Dennoch, es war sehr schon mit dem Handy-Clemens allein auf der Couch zu sein. Leider viel schöner, als mit dem realen Benny auf der Couch zu sein.

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