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Wichtigster Faktor: Planung

Der gravierendste Unterschied einer Fernbeziehung zu allen anderen Beziehungen, die ich bisher geführt habe, ist schlicht und einfach die Planung. Schließlich kann man auch Zeit miteinander verbringen, ohne physisch am gleichen Ort zu sein. Telefone und Skype etc. haben die Menschheit erheblich nach vorne gebracht in Sachen Kommunikation.

Bezüglich meines Gedankengangs letzte Woche habe ich mir relativ lange den Kopf zerbrochen, wie man ein solches Gespräch angeht. Kommunikation im Allgemeinen gehört wirklich nicht zu meinen Stärken. Hat es noch nie. Schließlich ist meine letzte Beziehung nicht zuletzt auch daran zerbrochen, dass ein gewisses Maß an Kommunikation von beiden Seiten gefehlt hat. Man geht nicht von jetzt auf gleich fremd. Zumindest trennt man sich nicht von jetzt auf gleich von jemandem, wenn man nicht grundlegend unzufrieden ist und dies nicht wirklich kommuniziert. Jemand neues kennenzulernen und mit diesem jemand eine „Beziehung“ einzugehen, ist ja nur der Tropfen auf den heißen Stein. Sozusagen die Gewissheit nicht alleine zu sein, wenn man sich dann wirklich trennt. Und sich nicht wirklich mit den grundlegenden Problemen, die zum Ende der Beziehung geführt haben, auseinanderzusetzen.

Was letztlich mein Gedankengang ist: Man könnte ja mal versuchen an gewissen Fehlern zu arbeiten und sie zu verbessern und zwar von Anfang an, nicht wenn alles schon zu spät und eigentlich vorbei ist.

Für das letzte Wochenende war also fest ein Gespräch eingeplant, dass sich mit der aktuellen Situation beschäftigt. Jasmin kam mir jedoch zuvor. Lustigerweise bin ich ja nur von meiner Situation ausgegangen. Dass es mir zu viel wird, beziehungsweise, dass ich auch gern mal wieder meine Familie sehen würde. Mir ist bei weitem nicht in den Sinn gekommen, dass es Jasmin genauso gehen könnte. Dass nicht nur ich davon betroffen bin. Dass nicht nur ich meine gesamte Freizeit auf Freitag, Samstag und Sonntag plane, damit wir ja genug Zeit füreinander haben. All das ist mir völlig entgangen.

Wir sitzen also Samstagmorgen beim Frühstück und Jasmin wirkt schon leicht bedrückt. Sie hat wirklich kein Pokerface. Als Schwerverbrecher höchst ungeeignet. Sie müsse mit mir reden. Oder besser wir beide müssen miteinander reden. Ich habe wirklich das Schlimmste erwartet. Aus und vorbei. Ich habe einen neuen. Ich ziehe weg und will ein neues Leben anfangen. Mir ging ziemlich vieles durch den Kopf, was mir nur noch einmal verdeutlicht hat, wie viel mir an dieser Frau eigentlich liegt.

Ihre Mutter mache sich Sorgen, weil sie kaum zu erreichen ist. Zu Hause war sie seit Ewigkeiten nicht mehr. Und mit Freunden ist sie auch kaum noch unterwegs, da wir uns ja immer am Wochenende sehen. Es scheint sie sehr zu bedrücken. In genau diesem Moment fange ich an zu lachen. Völlig falsch. Aber mir wird so schlagartig bewusst, dass wir uns mit exakt den gleichen Problemen rumquälen, dass ich nicht anders kann.

Den Lachanfall muss ich natürlich schnell erklären und kann ich verständlich machen, warum ich lachen musste und wie dumm wir beide eigentlich sind, dass wir aus einem so kleinen Detail, ein so großes Problem machen, dass sie mit Bauchschmerzen am Frühstückstisch sitzt. Offene Kommunikation! Sehr, sehr wichtig!

Nächstes Wochenende ohneeinander dann und mal wieder Zeit mit ein paar anderen Menschen verbringen. Und vor allem: Planung! Wie wichtig es ist, diese gemeinsame Zeit zu planen, fällt uns da mal wieder auf. Man kann nicht wirklich etwas dem Zufall überlassen. Man kann nicht sagen, wenn morgen nicht dann eben übermorgen. Es geht einfach nicht. Man muss sich seiner Sache schon sicher sein und so planen, dass nichts dazwischen kommt. Das gilt nicht nur für tatsächliche Besuche. Vielmehr auch für abendliche Telefonate etc. Und eventuell wird auch die Urlaubsplanung allmählich reif.

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