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Die Wünsche einer Mutter

Ich packe also meine sieben Sachen, um meine Schwester zu besuchen und in einem Atemzug auch mal bei meinen Eltern vorbeizuschauen. Fast wünsche ich mir, dass ich niemandem einen Besuch versprochen hätte und einfach mal ein entspanntes Wochenende zu Hause vor meiner schmerzlich vermissten Playstation verbringen könnte.

Stattdessen setze ich mich ins Auto und fahre (immerhin nicht allzu weit) zu meiner Schwester. Meine Nichte wächst fröhlich vor sich hin. Fängt an von alleine zu sitzen. Ihren Kopf kann sie schon alleine halten und was die Kleine sonst noch so kann, habe ich leider vergessen, weil meine Schwester mir fast drei Stunden damit in den Ohren hing. Sie ist nur ca. fünf Monate alt und alle Stationen ihres Lebens würden tagelange Erzählungen in Anspruch nehmen. Ich bin Mitte dreißig und könnte innerhalb von einer Stunde alles Wichtige erzählen.

Ein ziemlich ereignisloses Wochenende neigte sich dann Sonntag mit dem Besuch bei meinen Eltern dem Ende zu. Wie üblich bei Kaffee und Kuchen irgendwann die Fragen meiner Mutter. Wie es mir denn geht, was ich denn so mache. Man hört ja nie etwas. Meine Mutter hat eine etwas verschobene Wahrnehmung. Ich rufe mindestens einmal die Woche an, meistens eher zweimal. Jaja man hört ja nie etwas.

„Ich habe eine neue Freundin!“ Spontan. Wie aus dem Nichts. Ich habe mich damit auch selbst ziemlich überrascht muss ich sagen. Insbesondere, weil ich Jasmin in meinem Kopf noch nie als meine Freundin bezeichnet habe. Sagt man in meinem Alter überhaupt noch Freundin? Alle anderen erzählen von ihren Lebenspartner etc. Das klingt mir viel zu ernst und alt. Ich bleibe bei Freundin.

Meine Mutter springt auf und „ach nein, wie schön“ und „wann lernen wir sie denn endlich kennen?“. Der Kopf meiner Mutter macht Pläne über Pläne. Nicht nur, wann sie Jasmin denn kennenlernen können, nein das Hirn meiner Mutter spinnt auf Hochtouren auch gleich Hochzeit und Kinder hinterher. Zwei Enkel sind ja auch einfach nicht genug.

Sonntagabend auf der Couch kriegt Jasmin sich am Telefon gar nicht mehr ein vor Lachen. Es ist wahrlich schön, die irren inneren Auswüchse meiner Mutter mal wieder jemandem zu erzählen, der sich herzlich darüber amüsieren kann. Jasmin wirft ein, dass man den Wünschen einer Mutter nicht zu lange widersprechen sollte. Mein Kopf sagt: „Oha, jetzt wird es wirklich ernst!“

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