skip to Main Content

Alles Lügen

Irgendwo habe ich vor einiger Zeit ein Zitat gelesen/gesehen/gehört: „The minute people fall in love they become liars!“ (Der Urheber ist mir leider unbekannt).

Zutreffend, wie ich finde. Doch damals (es ist wirklich schon ein wenig länger her, ich glaube fast ich war noch in der Beziehung zu meiner Ex-Freundin) habe ich es einfach abgetan und war mir nicht wirklich im Klaren darüber, wie viel Wahrheit tatsächlich in diesem Zitat steckt.

Der Wissenschaftler in mir müsste natürlich erst einmal das Wort „Liebe“ zerpflücken, beziehungsweise „verlieben“. Wann ist dieser Zustand erreicht, wie lässt er sich definieren? Wie lässt er sich operationalisieren? Ist dies überhaupt möglich? Ist Liebe nicht für jeden Menschen ein anderer Zustand? Ganz zu schweigen von kulturellen Dimensionen der Liebe. Ich wüsste nicht einmal, wo ich anfangen soll.

Von einem weniger wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, finde ich es dennoch sehr passend und erinnerte mich zum ersten Mal wieder daran, als Jasmin das letzte Wochenende bei mir verbringen wollte. Ich bin eigentlich ein ordentlicher Mensch, zumindest wenn ich mich beispielhaft mit Tim vergleiche, der eigentlich nur ekelhaft ist. Ich räume mein Geschirr in die Spülmaschine und räume diese wieder aus, wenn sie durchgelaufen ist. Ich wasche in regelmäßigen Abständen meine Wäsche, hänge sie und hänge sie auch wieder ab. Zum Vergleich: Tim hat mal seine Wäsche über zwei Wochen in der Maschine gelassen, um dann festzustellen, dass sie stinkt und schimmelt, um sie daraufhin wegzuschmeißen und sich neue Sachen zu kaufen.

Ich denke also, dass man von einer soliden Grundsauberkeit sprechen kann. Sicherlich noch einiges an Luft nach oben, aber dafür bin ich schlicht und einfach zu faul. Meine Mutter mahnt jedes Mal an, dass ich mir doch bitte endlich eine Reinigungskraft anstellen soll. Sie hält den Dreck bei mir ja kaum aus. Ich ignoriere sie. Meine Mutter hat einen schweren Putzfimmel. Nirgends ist es so sauber, wie in meinem Elternhaus. Ich würde gut und gerne aus der Toilette essen, wenn notwendig.

Um zu meinem eigentlichen Punkt zurückzukommen (und weg von dem Gedanken aus einer Toilette zu essen): Donnerstag sah ich mich ein wenig in meiner Wohnung um und entschied, dass es vielleicht nicht ganz so klinisch rein ist, wie von mir vielleicht angenommen. Bei genauerem Hinsehen konnte man an einigen Ecken gar von Dreck sprechen. Dementsprechend musste der Freitagnachmittag dran glauben und anstatt zu arbeiten, putzte ich meine Wohnung von oben bis unten. Die letzten Winkel wurden geschruppt. Da taten sich Ecken auf, die ich vorher nie gesehen habe.

Mein Punkt also: Ich schrubbe und putze einen halben Tag, um etwas darzustellen, was ich eigentlich nicht bin. Ich bin nicht klinisch sauber. Ich wische nicht jeden Tag Staub und putze den Boden. Ich glaube, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie in meinem Leben einen Spiegel geputzt habe. Ich musste erstmal googeln, wie genau dies funktioniert. Ich bin auch noch nie auf die Idee gekommen, einen Kühlschrank auszuräumen, um ihn vollständig zu reinigen und das Gefrierfach abzutauen. Nach all meiner Putzarbeit und Lektüre zu Putzarbeit im Internet, ist mit zum ersten Mal aufgefallen, wie ekelhaft ich eigentlich bin. Schließlich soll man seinen Kühlschrank mindestens einmal im Monat reinigen. Die ganzen Keime, die scheinbar darin leben…

Ich habe mich also zu jemandem gemacht, der ich nicht bin. Das alles für die Liebe. Für die Liebe einmal schnell zum Lügner geworden. Dafür habe ich lobende Worte für meine unglaublich saubere Wohnung erhalten. Und ein: „Ich hoffe du hast nicht nur für mich geputzt?“ Nein! Gleich die nächste Lüge hinterher!

Back To Top